Brücke zwischen Wohlbefinden, Prävention und Gesundheit


Claus-Arwed Lauprecht, Präsident der International Spa & Wellness Association e.V. und Geschäftsführer des Wellness-Instituts über die Entwicklung von Medical Wellness.

 

Claus Lauprecht

Medical Wellness im Sinne der Präventivmedizin zu betreiben heißt, die individuellen Risikofaktoren genauer zu analysieren, als im Praxisalltag üblich, und eine veränderte Lebensführung des Patienten herbeizuführen. Medizinisch-therapeutische Leistungen werden verknüpft mit vitalisierenden, entspannenden Maßnahmen und mit Freizeitaktivitäten. Medical Wellness schlägt die Brücke zwischen Wohlbefinden, Prävention und Gesundheit. Medical steht für "fit für den Alltag von morgen durch medizinisches know how von heute". In einem Medical Spa wird Schulmedizin verquickt mit Wellness-Produkten und -Anwendungen. In der Medizin steht die Heilung von Krankheiten beziehungsweise Behandlung von Symptomen im Vordergrund (Pathogenese). In Medical Spas geht es dagegen vor allem um die Aufwertung des Selbstwertgefühls und um das Gesunden (Salutogenese). Die Frage "Warum werden Menschen krank?" wird durch die Frage "Warum bleiben Menschen gesund?" erweitert. Bei Befindlichkeitsstörungen und Krankheit bedarf es einer Behandlung, die körperliches, seelisches und geistiges Gleichgewicht sowie das Aussehen verbessert. Medical Wellness soll vorsorgen und selbst zahlende Wellness- und Gesundheitsurlauber gesund erhalten. Zum Einsatz kommen servicebewusste Mitarbeiter aus der Medizin und dem Wellness-Sektor. Wichtig ist zudem eine gelungene räumliche Gestaltung des Behandlungs- und Betreuungsbereiches: Medical Spas sollen Geborgenheit vermitteln und zu gesunder Lebensführung motivieren. Für kurative und rehabilitative Einrichtungen (Kliniken) sowie für Alten- und Pflegeheime ist das Konzept in der Regel nicht vorgesehen.

Die Anti-Aging-Medizin untersucht, welches Krankheitsrisiko der Einzelne in sich trägt, und diagnostiziert. Das Ergebnis sind individuell abgestimmte Behandlungen. Medikamente kommen nur zum Einsatz, wenn das Krankheitsrisiko erhöht ist. Ansonsten stehen über 250 alternative Methoden der Behandlung zur Auswahl: zum Beispiel Entspannungstechniken, Ernährungsberatung und Fitness-Training.

Seit im Jahr 1996 §20 der Gesundheitsreform gestrichen wurde, hat sich der Gesundheitsmarkt grundlegend verändert. Bis dahin übernahmen die Krankenkassen die Kosten für Kurse wie Bewegungstraining, Rückenschule und Ernährungsberatung ganz oder zum Teil. Gekürzte Zuzahlungen für Behandlungen, Krankenhausaufenthalte und Medikamente belasten den Einzelnen finanziell. Inzwischen ist es für viele Patienten nicht mehr selbstverständlich, alles von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen. Die Einstellung der wachsenden Wellness-Klientel lautet: "Ich zahle lieber selbst, um meine Gesundheit zu erhalten. Dafür erwarte ich eine überdurchschnittliche Leistung." Der klassische Kuraufenthalt wird vielfach durch einen Wellness-Urlaub abgelöst. Die Menschen handeln eigenverantwortlicher und ändern ihre Lebensweise.

Nach wie vor werden zu viele Krankheiten mit Mitteln der Pharmazie und Chirurgie bekämpft, statt einen gesünderen Lebensstil zu fördern und nach Krankheitsursachen zu forschen. Der Wellness-Markt bietet gut aufgestellten Unternehmen vor diesem Hintergrund jede Menge Chancen. Kein Wunder, dass dem Spa- und Wellness-Markt in verschiedenen Studien eine glänzende Zukunft vorausgesagt wird. Die bbw-Trendstudie "Neue Senioren-Märkte 2006/2007" geht davon aus, dass es für Fitness- und Wellness-Anlagen in Deutschland rund 25,8 Millionen potentielle Kunden gibt. Die Wirtschaftsforscher von Global Insight haben ermittelt, dass der Umsatz auf dem Wellness-Markt zwischen 1999 und 2005 von 54,3 Milliarden auf 72,9 Milliarden Euro gestiegen ist. Im Jahr 2006 wuchsen nach Untersuchungen des Wellness-Instituts besonders die Bereiche Anti Aging, Aromatherapie, Ayurveda, Medizinisches Rückentraining, Pilates, Walking/Nordic Walking, Wellness-Programme mit ärztlicher Begleitung (Medical Wellness), Wohlfühlmassagen (Aroma, Hot Stone, Kräuterstempel) und Yoga.

Der inflationären Benutzung und Verwässerung des Begriffes Wellness setzt das Wellness-Institut folgende Definition entgegen: "Wellness ist ein aktives und selbst verantwortliches Bemühen um die eigene Gesundheit, mit dem Ziel, ein Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele herzustellen, einen Zustand von Wohlbefinden und guter Gesundheit." Wellness beschreibt einen Zustand, der von jedem Menschen anders empfunden wird. Entscheidend ist, dass die Aktivitäten, die zu dem angestrebten Lebensstil führen, als angenehm empfunden werden.

Vielen Wellness-Projekten fehlt unterdessen qualifiziertes Personal. Deshalb engagiert sich das Bildungswerk für Wellness & Gesundheit ganz wesentlich als Ausbildungspartner für Wellness-Hotels, Kurmittelhäuser und Institute in acht deutschen Schulungszentren (Bad Homburg, Bad Salzuflen, Coburg, Damp, Geldern, Osnabrück, Schluchsee und Traunstein). Hohe Qualitätsstandards und Lehrgänge rund um die Gesunderhaltung garantieren Lernerfolg und sind für jeden Mitarbeiter im medizinischen Bereich ein Muss.

Die Medical-Spa-Checkliste für Investoren und Betreiber

Investoren und Betreiber stellen sich die Frage: Welche Bereiche sollten unbedingt in einem Medical Spa eingebunden werden? Das Wellness-Institut hat eine Checkliste für die Angebotsgestaltung in Medical Spas erstellt:

  • Internistischer und/oder präventivmedizinischer Check
  • Medizinische Leistungen
  • Schönheits- und Körperbehandlungen
  • Entspannungsverfahren
  • Ernährungsberatung und -konzepte
  • Wohlfühlmassagen
  • Saunen und Bäder
  • Solarium
  • Bewegungsangebote
  • fernöstliche Angebote (Ayurveda, Qi Gong, traditionelle Chinesische Medizin)
  • Angebote der ästhetischen Medizin (Dermatologie, Zahnheilkunde)
  • Angebote der Naturheilkunde

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Zur Person:
Claus-Arwed Lauprecht ist seit 1999 Geschäftsführer des Wellness-Instituts und seit 2002 zusätzlich Präsident der International Spa & Wellness Association (ISWA). Darüber hinaus ist er seit 2001 Projektberater der DIHK für Wellness-Berufe. Im Jahr 2003 wurde Lauprecht in den Ausschuss Bildungswirtschaft der IHK berufen. Er ist Fachdozent an verschiedenen internationalen Institutionen und bekannt durch Vorträge sowie diverse Publikationen.

Quelle: Mercado Verlag GmbH Hamburg, Cost & Logis